Browsergeschichten


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Historie: Eine kleine Browser-Geschichte (Von Äpfeln, Safaris und Feuerfüchsen)

Früher war alles besser: Die ganze Welt surfte mit Netscape, Apple war die englische Bezeichnung von Apfel, Safari ein aufregender Ritt durch die Wüste und unter Opera konnte man sich gerade noch einige stimmgewaltige Damen und Herren vorstellen die, mal laut und mal leise ihren Gesang zum besten geben. Überall, wohin man auch blickte...Netscape - Von Konkurrenz keine Spur!

So wäre es auch mit Sicherheit noch einige Jahre weiter gegangen, wäre Microsoft nicht eines Tages aus dem Dornröschenschlaf erwacht um in das Geschehen einzugreifen. Man sah es nämlich in der Managementetage von MS äußerst ungern, dass ein Produkt welches nicht von MS vertrieben oder entwickelt wurde nicht nur 95 % Marktanteil besaß, sondern auch auf verschiedenen Betriebssystemen lief. Hier schrillten die Alarmglocken äußerst hell...wer wollte schon dafür verantwortlich sein, wenn durch das Verschlafen einer Technologie die Marktbeherrschung von Windows Schaden nimmt. So entwickelte man das Gegenstück zum Netscape Navigator - den Internet Explorer.

Der Riese erwacht

Gleichzeitig stellte Microsoft immense Geld-, Werbemittel und Menpower bereit, integrierte den unfertigen Internet Explorer in ihr marktführendes Betriebssystem (Windows 95b), und vertraute auf "Was mitgeliefert wird, wird auch benutzt".
Microsoft hatte viel aufzuholen. Und sie zeigten auch den Willen dazu: Während das ursprüngliche Internet-Explorer-Team 1995 aus nur 6 Mitgliedern bestand, waren es ein Jahr später schon 100. 3 jahre später (1999) trieben 1000 Mitarbeiter die Entwicklung voran (das waren mehr Mitarbeiter, als Netscape insgesamt je an Angestellten hatte). Die Werbeabteilungen beeilten sich zu versichern dass es eine einmalige Erfahrung wäre mit dem Internet Explorer zu surfen (was auf gewisse Weise ja auch zutrifft) und brüsteten sich das Internet schon immer als sehr wichtig eingestuft zu haben. Netzscape verlor durch die Heirat des Internet Explorers (von vielen liebevoll mit dem Kosenamen IE ausgestattet) mit Windows sehr stark an Boden, und als Webdesigner konnte man sich langsam aber sicher darauf einstellen, dass man sich bald nur noch um einen Browser werden kümmern müsste. Die Nutzer hatten entschieden: der bessere Browser war blau...soweit man der Farbe des Icon glauben schenkte.

IE-Logo Und obwohl der bessere Browser doch endlich gesiegt hatte, alle Ungläubigen aus dem Browsermarkt verdrängt wurden und der Friede schon wartend vor der Tür stand, so gab es doch einige Spalter, die immer noch nicht an das Blaue im Browser glaubten.

Von Innovationen und Säure-Tests

"Von wegen blaues Blut..fast alles proprietär" hörte man aus der einen, "zusammengestückelt und unsicher..." aus der anderen Ecke des Netzes. Nicht zu vergessen die vielen seelisch für immer gebrochenen Designer, die Tag und Nacht versuchten ihre "mit dem IE perfekt aussehende Seite" auf einen anderen Browser anzupassen.
Bedingt durch die vielen Sicherheitslecks in dem nun marktführenden Browser und die unterschiedlichen Entwicklungen auf beiden Browserseiten im Bereich CSS-Unterstützung und HTML-Unterstützung wurden langsam aber sicher Rufe laut, die Standardisierung, Sicherheit und Innovationen forderten. Aus diesen Forderungen gingen mehrere Projekte hervor: Opera - von der norwegischen Firma Opera Software ASA, Konqueror vom KDE Team und Safari, der als Mac-Pendant zu Konqueror von Apple weiterentwickelt wurde.
Diesen Bestrebungen nach Standardisierung und Sicherheit ist es zu verdanken, dass Safari als erster offizieller Browser im Januar 2006 den ACID2-Test bestanden hat - Ein Test zum Überprüfen von korrektem Verarbeiten von CSS-Befehlen. Dass Safari der erste Browser (und das erst seit 2006) mit bestandenem ACID2-Test ist, führt schon langsam aber sicher an die Problematik einer Optimierung für nur einen Browser heran. Um sich die Interpretation dieses Tests durch den gerade erst erschienen neuen Internet Explorer 7 anzusehen einfach hier klicken.

Ein Browser sie zu knechten und ewig zu binden - von Gurus und Keep Out Schildern

Doch zurück zur Browser-Geschichte: Als nach ein paar Jahren klar war, dass Microsofts Browser-OS Bundle durschlagenden Erfolg verzeichnete und nur noch besagte Randgruppen mit exotischen Browsern surften, machte sich unter selbst ernannten Design-Gurus sehr schnell die Meinung breit jetzt nur noch mit dem Internet Explorer die Seiten zu testen.
Dabei wurde auch nicht vergessen, dass sich durchaus noch andere Browser auf die Seiten verirren konnten; denn Gurus wären nicht Gurus, wüssten sie sich nicht auch hier einen pfiffigen Rat: Ähnlich einem "Eltern haften für ihre Kinder" brachten sie Schilder mit der Aufschrift "Optimized for Internet Explorer V.x, Resolution y*z" vor jedem Webseiteneingang an. O-Ton Guru G. aus M.: Wer die Seite mit einem anderen Browser betritt ist selbst Schuld...Pech!".

Netscape ist tot - Mozilla lebt... Runde 2 im Browserkrieg

Mozilla-Logo Zur gleichen Zeit machte sich eine kleine aber feine Gruppe Programmierer (die sich schon für den legendären Netscape verantwortlich zeigten) ausgestattet mit Kapital von ihrem ehemaligen Arbeitgeber und dem Quellcode ihres Babys Netscape Navigator auf den Weg, um der Welt eine Alternative zum blauen IE zu schenken. Als Netscape nämlich immer mehr Marktanteile verlor, zuerst zu AOL und schließlich zu AOL Time Warner gehörte und man dort in der Chefetage beschloss den Kampf gegen den IE als verloren zu betrachten wurde zwischen dem ursprünglichen Entwicklungsteam und den Verantwortlichen ein überaus interessanter Deal als Auslösevereinbarung getroffen: AOL Time Warner musste jährlich eine gewisse Summe an eine gemeinnützige Organisation (Mozilla Foundation) zahlen und überließ alle Rechte an dem Quellcode von Netscape den Entwicklern.

Frisch abgefunden gingen eben diese Entwickler nun ans Werk: Sie reorganisierten den Code, dokumentierten alle Stücke und veröffentlichten die kommpletten Quelltexte (open source) als neuen Browser: Mozilla.Mit der Veröffentlichung der ersten Version von Mozilla und vor allem mit der Entwicklung des schlankeren (von der Mozilla-Suite abgeleiteten) Browsers Firefox wurde die 2. Runde im Browserkrieg Microsoft gegen den Rest der Welt eingeleutet. Firefox hat heute (Stand 06.1.2007) einen Marktanteil in Deutschland von knapp 31% - Tendenz trotz Veröffentlichung des IE 7 steigend.


Zusammenfassung der Browsergeschichte

Es werden immer wieder Browser auf dem Markt sein, die nicht nur von einem Hersteller entwickelt werden. Diese interpretieren die gleichen Befehle unterschiedlich, haben unterschiedliche Fähigkeiten und lösen gleiche Dinge auf verschiedene Art. Hierbei kommt schnell die Frage auf, ob eine Optimierung für einen bestimmten Browser notwendig oder sinnvoll ist? Neugierig geworden? Auf zum nächsten Kapitel, "Warum Optimierung?"